Vermutlich habe ich als Sammlerin ein drittes Auge. Wo ich auch immer bin, findet dieses Auge Engel, unbewusst oder bewusst. Von diesen Fundstücken möchte Ihnen erzählen. Meine Sammlung umfasst mehr als 2 000 Engel, viele davon haben ihre Geschichte.
Wir waren für unsere gewohnte Frühlings-Ferienwoche nach Nizza geflogen. Die Stadt bot sich uns bilderbuchmässig an. Das Meer lag in allen Blau-Schattierungen vor uns, vom hellen Türkis bis zum satten Blau. Als ich dann noch entdeckte, dass die Bucht „La Baie des Anges“ hiess, wurde die Strand-Promnade zu meinem Lieblingsort. Der Gedanke, an einer Engelbucht zu sitzen, machte mich glücklich.
Nizza erleben, bedeutet auch, das Chagall-Museum in seinem schönen Park zu besuchen. Welche Freude, die mir zum Teil bekannten Ausschnitte von Marc Chagalls Werken als ganzes Bild zu sehen. Schützende, mutige Engel in bunten, kräftigen Farben, grosszügig gemalt. Ich entdeckte auch ein Bild, das drei Engel zeigt, die essend und trinkend am gedeckten Tisch sitzen und bedient werden. Ein Motiv mit Seltenheitswert, denn es gibt kaum Darstellungen mit essenden Engeln.
Eines Abends sitzen wir in der Opéra de Nice, wo „Manon“ von Jules Massenet gespielt wird. Tatsächlich: Auf allen drei Rängen sitzen vorne an der Brüstung Engel. Ich habe sie nicht gezählt. Aber ich schätze, dass rund 100 Engel Abend für Abend das Haus schützen, ein guten Gefühl.
Der Blumenmarkt von Nizza ist berühmt. Auch ich stellte mir einen grosszügigen Blumenstrauss zusammen, um unserer Ferienwohnung eine persönliche Note zu geben. Ich genoss die Auswahl. Auf dem Wochenmarkt fanden wir ein riesiges Angebot von kulinarischen Herrlichkeiten, für mein Köchinnen-Herz Genuss pur.
Einmal wöchentlich werden auf dem Platz keine Esswaren angeboten, sondern findet ein Flohmarkt statt, mein Tag! Es gab einiges, das uns gefiel und so berieten wir beim Apéro, was wir wirklich gerne hätten. Das machen wir immer so, mit dem Risiko, dass ein begehrtes Stück nicht mehr da ist oder beim zweiten Blick nicht mehr so attraktiv erscheint. Wir kauften zwei Bilder (keine Engel) und zwei hübsche, kleine Porzellan-Engel.
Einige Tage später stöbere ich in einer Boutique, die vor allem Drittwelt-Produkte verkauft und finde auch hier einen Engel. Er ist etwas kühn, frech, ziemlich schräg – macht aber Spass. Denn genau das ist es, was mir besonders gefällt beim Suchen nach Engeln: das Unerwartete.
Meine Sammlung hat sich um drei Engel vergrössert, ich selbst fühle mich bereichert durch den Blick auf die Chagall-Bilder und durch den täglichen Gang an die „Baie des Anges“.
sommer08dw